Über mich

In Kürze wird hier meine Diplomarbeit zu finden sein zum Thema "Die reduktionistische Strategie der Neurowissenschaften am Beispiel der Forschung zur Objektrepräsentation", erstellt an der Universität Leipzig, Institut für Psychologie, im Jahre 2016.

Die reduktionistische Strategie der Neurowissenschaften am Beispiel der Forschung zur Objektrepräsentation (pdf)


Eine Zusammenfassung der Arbeit:

In der vorliegenden Arbeit wird folgende Frage behandelt: Wie lässt sich ein Reduktionismus vertreten, der vernünftig erscheint und adäquat ist angesichts der tatsächlichen Entwicklung in den Wissenschaften? Dazu werden zunächst verschiedene Modelle der Reduktion vorgestellt: das Nagel-Modell als klassische Reduktion, welches besonders gut zur Theorieentwicklung in der Physik passt; der New Wave Reduktionismus; das Ebenenmodell von Oppenheim und Putnam. Diese drei Modelle können als Ansätze der Theorienreduktion bezeichnet werden. Modelle reduktiver Erklärung dagegen geben die Vorstellung auf, dass eine Theorie aus einer anderen deduziert werden könne, da bspw. die Theorien der Bio- und Neurowissenschaften sowie der Psychologie nicht in einem formalisierten Kalkül dargestellt werden. Als Modelle reduktiver Erklärung werden einige Ansätze der Chicaco Mechanists vorgestellt: das Modell von Robert McCauley und der mechanistische Erklärungsansatz. Es wird argumentiert, dass diese Modelle reduktionistische bzw. reduktive Modelle sind und am besten zur Theorieentwicklung in den Bio- und Neurowissenschaften sowie der Psychologie passen. Dies wird veranschaulicht am Fallbeispiel der Objektrepräsentation. Eine Analyse der Forschung zur Objektrepräsentation zeigt, dass Psychologie und Neurowissenschaften eine reduktionistische Strategie verfolgen, da verschiedene Analyseebenen angenommen werden und die Erklärungsleistung auf niedrigerer Ebene verortet wird. Das heißt, man geht davon aus, dass ein zugrunde liegender Mechanismus auf einer niedrigeren Ebene (im Beispiel neuronale Synchronisation) ein Explanandum-Phänomen (im Beispiel die Objektrepräsentation) erklärt. Auch wird gezeigt, dass heuristische Identitäten im Sinne McCauleys (im Beispiel die Oszillationen) im Forschungsprozess angenommen werden.

Kriterien für die Vernünftigkeit und Adäquatheit eines Reduktionismus (angesichts der tatsächlichen Entwicklung in den Wissenschaften) werden zwar nicht explizit formuliert, dennoch lässt sich konstatieren, dass es eben nicht vernünftig sein kann, dass die Psychologie oder allgemeiner die Spezialwissenschaften unter einem reduktionistischen Verständnis ihre Autonomie verlieren. Wenn wir behaupteten, dass der Geist nichts anderes als das Gehirn sei, dann wären wir damit bei dem platten Neuroreduktionismus, den viele Psychologen und auch Philosophen ablehnen. Ich habe aber gerade zu zeigen versucht, dass ein richtig verstandener Reduktionismus keine solchen Konsequenzen hat, da es vornehmlich um epistemische Reduktion geht, d.h. um eine Reduktion in der Erklärung. Phänomene, Eigenschaften, Prozesse o.ä. im ontologischen Sinne werden nicht reduziert. Das heißt, die Psychologie und die Spezialwissenschaften behalten ihre Gegenstände.

Im Sinne eines reduktionistischen Minimalkonzeptes, d.h. wenn wir uns anschauen, was aus den bisherigen reduktionistischen Positionen destilliert werden muss, damit wir es immer noch mit einem Reduktionismus zu tun haben, müssen aus meiner Sicht zwei Thesen angenommen werden: Desideratum-1 (d.h., zwischen den Relata der Reduktion muss es Verbindungen geben, z.B. Verbindungen von Termen, bzw. Verbindungen des Vokabulars; diese Verbindungen müssen ontologisch fundiert sein) und Desideratum-3 (d.h. dass Phänomene angemessen und adäquat dadurch erklärt werden, dass vor allem auf die Zusammensetzung der Teile des Phänomens sowie deren Interaktionen geschaut wird; es besteht demnach eine Erklärungspriorität der niedrigeren Ebenen).

Kontakt

Bild